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Background Neue Patientenverfügung Wünsche für Behandlung differenziert festhalten Das Institut Dialog Ethik, die Herzstiftung und der Verband für Seniorenfragen geben zusammen eine neue umfas- sende Patientenverfügung heraus. – Von Markus Breuer Markus Breuer, Dr. oec HSG, Fachbereichsleiter Bildung, Institut Dialog Ethik, Zürich; 044 252 42 01, mbreuer@dialog-ethik.ch Nouvelles directives anticipées détaillées D ie drei Organisationen möchten mit die- ser differenzierten Patientenverfügung Menschen dabei unterstützen, ihre Vorstel- lungen und Wünsche für die Zeit am Ende des Lebens festzuhalten. Die Verfügung kommt zum Tragen, wenn ein Patient seinen Willen nicht mehr äussern kann. Dadurch werden die Angehörigen und das Behandlungsteam in schwierigen Entscheidungssituationen entlastet. Die langjährige Erfahrung des In- stituts Dialog Ethik bei der Begleitung von Behandlungsteams zeigt, dass mit präzisen Angaben der Wille der Patienten am besten umgesetzt werden kann. Deshalb werden auch genaue Angaben für spezifische Situa- tionen abgefragt, etwa zur Reanimation bei schwerer, unheilbarer Krankheit. Die neue Patientenverfügung widerspiegelt durch ihre Genauigkeit und ihre Aufklärungsfunktion den Geist des neuen Erwachsenenschutz- rechts, das ab 2013 gilt und die Patienten- autonomie fördern soll. Wegleitung für schwierige Entscheide Beim Ausfüllen der Patientenverfügung wird man mit einer verständlich gehaltenen Wegleitung durch komplexe Entscheidun- gen geführt. Die medizinisch und ethisch schwierigen Punkte werden einfach, aber mit der notwendigen Ausführlichkeit und Präzision geschildert, sei es die Reanima- tion, die künstliche Ernährung oder die Do- sierung von Schmerzmitteln. Durch den medizinischen Fortschritt ergeben sich viele Handlungsmöglichkeiten, bei denen man nicht alleine aufgrund me- dizinischer Kriterien entscheiden kann. Hier ist der persönliche Wille des Patienten ent- scheidend. Allerdings helfen Äusserungen wie «Ich will nicht mit Schläuchen an einer 26 Competence 11/2012 Maschine hängen» weder den betroffenen Personen noch den Behandlungsteams wei- ter. Solch generelle Aussagen können den komplexen medizinischen Situationen kaum gerecht werden, denn es ist oft unklar, was genau mit dieser Aussage gemeint ist. Auf der Intensivstation hängen die Patienten oft «an einer Maschine» wie etwa einer Herz-Lungen-Maschine. Die Prognosen und Lebensumstände der Patienten sind jedoch sehr unterschiedlich. Bei welcher Prognose in welchen Lebensumständen will man auf welche Massnahmen verzichten? Lehnt man mit der erwähnten Aussage auch eine künstliche Ernährung mittels einer Magen- sonde ab, wenn man im Wachkoma liegt? Oder befürwortet man andererseits alle Massnahmen, die nichts mit «Schläuchen» oder einer «Maschine» zu tun haben? L’institut Dialog Ethik, la Fondation suisse de cardiologie et l’Association suisse des aînés éditent ensemble les « Directives anticipées : le DocumentHumain ». Par sa précision et sa clarté, ce document re- flète l’esprit du nouveau droit de protec- tion des adultes, qui entrera en vigueur en 2013 et veut favoriser l’autonomie du patient. Ce dossier détaillé permet au pa- tient d’exprimer ce qu’il souhaite rece- voir comme traitement en fonction de di- vers scénarios. Pour le remplir, un guide compréhensible conduit à travers des dé- cisions complexes. Les points délicats sur le plan médical et sur le plan éthique sont décrits simplement, mais avec les détails et la précision nécessaires.  Document disponible sur www.dialog-ethik.ch Wünsche differenziert äussern Die neue ausführliche Patientenverfügung bietet die Möglichkeit, die Behandlungs- wünsche für verschiedene Szenarien dif- ferenziert zu äussern. So kann man bei- spielsweise ankreuzen, nur im Endstadium einer unheilbaren, tödlichen Erkrankung auf lebensverlängernde Massnahmen verzich- ten zu wollen. Detailliert wird beschrieben, wie die Erfolgsaussichten einer Reanimation sind oder welche Wahlmöglichkeiten man bei der künstlichen Beatmung hat. Dabei werden auch Ängste angesprochen wie die- jenigen vor dem Ersticken oder Verdursten. Auch die Problematik der Organspende und verschiedene Optionen sind ein Thema. Durch ihre Genauigkeit und Ausführ- lichkeit hebt sich die Patientenverfügung der drei Partnerorganisationen von anderen ab. Dies erfordert eine tiefgründigere Aus- einandersetzung mit der Thematik, welche gewollt ist. «Oft versucht man, die Ausein- andersetzung mit dem eigenen Tod zu ver- meiden – wer dieses Unbehagen jedoch überwindet, erlebt meistens eine Befreiung und lebt dadurch intensiver», sagt Ruth Baumann-Hölzle, Institutsleiterin von Dia- log Ethik. Forscher der University of Missouri sind kürzlich zum Schluss gekommen, dass die Beschäftigung mit dem Tod meist nicht deprimierend wirke, sondern die Menschen glücklicher und sozialer mache.  Die Verfügung kann auf www.dialog-ethik.ch gratis heruntergeladen werden.